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Feature IT/Unternehmen:
Unified Communications -Kommunikationsformen aller Medien vereinigt Euch

 Wenn die Chefs grün vor Informationshunger werden

Von Annegret Kempf

Ein wenig spitzbübisch schaut er, der Vorsitzende der Geschäftsführung Microsoft Deutschland, Achim Berg, als er von zwei Mitarbeitern erzählt, die ihm jüngst  via Instant Messenger kurze Nachrichten geschickt haben. „Einfach so, ungeachtet aller Hierarchiestufen, nur, weil mein Messenger gerade auf Grün geschaltet war.“

Und hat er geantwortet, der mächtige Deutschland-Chef des  Software-Riesen? „Klar.“
 Kurz und bündig sagt Berg das, so wie nach seiner Vorstellung die ideale Kommunikation in Unternehmen der Ära Enterprise 2.0  und darüber hinaus aussieht: Jeder beteiligt sich an schnellen Wegen und der zwanglosen Wahl des gerade effizientesten Kommunikationsmittels. Die 220 Milliarden täglicher Emails weltweit sind in dieser vernetzten, projektorientierten Nachrichtenlandschaft schon ein wenig out. Wer will sich durch Berge endloser Episteln zur Entscheidungsfindung quälen, wenn die Arbeit längst erledigt und alles besprochen sein kann? Sich nur diejenigen Infos aus einem Angebot herauszuziehen, die man individuell benötigt, hilft, mit den überbordenden Informationsfluten fertig zu werden, statt sich gegen sie zu immunisieren. Gewöhnungsbedürftig sei dieses „Neue Arbeiten“ speziell für die Babyboomer-Generation der zwischen 1945 und 1964 Geborenen, die nicht mit dem PC aufgewachsen sind. „Ich bin ja einer von ihnen“, macht sich Berg mit reiferen Mitarbeitern gemein. Deren besonderes Talent liegt darin, sich ausführlich und intensiv mit einer Aufgabe zu beschäftigen. Zwar gehört der 45jährige eher zur Generation X, der von 1965 bis 1980 Geborenen, die ihr Studium nicht ohne die Tuchfühlung mit elektronischen Rechnern abschließen konnten. Aber er sucht eben gerne die Nähe von Menschen, versucht, sie zu verstehen. Was bringt einem Menschen näher, als sich in ihre Lage zu versetzen? -  Moderne Kommunikationsformen hin oder her, die Berg zu inspirativen Kicks verhelfen können, wenn sein voller Kalender einmal eine Messenger-Grün-Schaltung zulässt: Der Microsoft-Chef mag reale Gesicht-zu-Gesicht-Plaudereien lieber als das Menschen verbindende, soziale Internet-Netzwerk namens „Facebook“. Selbst wenn er letzterem ein paar Seiten seines Lebens öffnet. Gespräche mit ausgeschaltetem Laptop und ruhendem Smartphone sind seine Favoriten: Eine Wohltat für ihn und eine Seltenheit unter Führungskräften des 21. Jahrhunderts, die im Zeitalter des Internet-Echtzeit-Tagebuchs „Twitter“ zu einem Splitter-Dasein ihrer Persönlichkeiten verdammt sind. Den Spagat zwischen modernen Austauschformen und Gemütlichkeit schafft Berg, indem er sich von allem die besten Schnipsel sucht: Unified Communications als das Streben nach den gerade optimalen oder angenehmsten Kommunikationsformen.  

Live-Atmosphäre aus Hollywood
 

Platz auf dem Tisch nur für den Teller, statt vorrangig für den Tablet-PC: Das schätzt auch Volker Smid, vom Microsoft-Partnerunternehmen HP, dessen Deutschland-Chef er ist. „Ich finde, die Möglichkeiten, sich abzulenken, haben dramatisch zugenommen“, bedauert er die Zeitabsorbierung durch PC-Spiele und ähnliches. Dennoch werden bei Hewlett Packard (HP), das in Deutschland eine 50jährige Geschichte hat, zunehmend moderne Kommunikationsformen eingesetzt und geschätzt.  Besonders beliebt sind bei den 11.000 Mitarbeitern der deutschen Niederlassungen Konferenzzimmer mit Stühlen, die im Halbrund aufgestellt und besetzt sind. Das andere Halbrund ergänzt mit seinen Diskussionsteilnehmern via Kinoleinwand virtuell, aber live, die Runde. „Diese Räume sind ständig ausgebucht“, erzählt der 52jährige. Er schwärmt von der Unterstützung aus Hollywood bei der Konzeption, die aus ihm, einem Video-Konferenz-Skeptiker, einen Fan der teils körperlosen Kommunikation machte. Seit in ihren Unternehmen die Effizienz der neuen Medien Fuß fasst,  sparen sich die beiden Bosse nahezu unüberschaubare Massen an Flugmeilen und jede Menge Lebenszeit, die sie zuvor unterwegs verbringen mussten. Ähnlich profitieren andere Unternehmensangehörige von den vielgesichtigen Kommunikationsformen der Teenie-Zeiten des 21. Jahrhunderts. Es entlastet, in aller Kürze relevante Infos verfügbar haben, an jedem Ort, um alles gezielt zu erledigen. Und dass, ohne  ständig online oder am Handy erreichbar sein zu müssen. Richtig genutzt, schenken die gebündelten, neuen Kommunikationsformen einen Zugewinn an Lebensqualität. Auch wenn manche das Gefühl haben, dass ihnen bei der unternehmensweiten Vernetzung  der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Solange sie sich nicht von internen sozialen Netzwerken, mit ihrem Wissensaustausch zwischen Mitarbeitern und Experten, aufgefangen fühlen. Schließlich sind beispielsweise bei HP in Böblingen viele Angestellte schon seit der Ära in der Firma, in der HP noch Produkte-Bauer und nicht vorrangig IT-Servicedienstleister war. Mittlerweile fließen Informationen quer durchs einst hierarchisch geführte Unternehmen. Die Beschäftigten stimmen sich miteinander ab.  Dazu gehört, dass auch der Chef kein Luxus-Office besitzt, sondern einen täglich neu zu erobernden Schreibtisch für seinen Laptop im Großraumbüro. So wie jeder andere HPler. Smid über sein Dasein als Primus inter Pares: „Ich finde, dass man diese Informationsflut selber mit beherrschen muss. Führung in der Vergangenheit war auch ein Kontrollreflex.“ Erfahrung zählt. Lange Betriebszugehörigkeiten werden bei HP hoch geschätzt, erzählt der 52jährige. „Wir können voneinander lernen“, beschreibt der Deutschland-Chef, wie es hilft, das alternde HP Deutschland mit so genannter „Age Diversity“ durch Veränderungen zu führen und in der Kommunikationskultur von Enterprise 2.0 anzukommen. Erneuerung wird hier nicht von oben angeordnet, sondern erfindet sich aus der Kombination vieler Inspirationen selbst. Age Diversity sei besonders  wichtig, wenn die nach 1980 geborene  Generation Web eher in der Minderheit ist. Angesichts der ausdauernden und intensiven Arbeitsweise der Baby Boomer, profitieren  Unternehmen wie HP von vermischten Arbeitsstilen und die Jüngeren von den Älteren. Gemeinsam stoppen die HPler beispielsweise 1,7 Milliarden Spams pro Tag bei ihren Kunden. 

 Weg von den Wissensinseln im Enterprise 1.0

Viele Dinge gleichzeitig erledigen, mit gut trainierter Handkoordination, das sind Microsoft-Deutschlandchef Berg zufolge die besonderen Talente der Generation Web. Sie werden auf dem langen Weg von Enterprise 1.0, der klassisch-geordneten Firma,  zu Enterprise 2.0, das auch vom Informationsaustausch im Internet profitiert, genutzt. Doch das Angestelltendasein verliert seine Normalfunktion, wenn innerhalb der nächsten 30 Jahre 50 statt derzeit elf Prozent der Erwerbstätigen als Selbständige arbeiten. „Die Leute werden austauschbar “, prophezeit der Kölner, „die Informationen werden weiter gegeben“.  Wo der einzelne Menschen an Bedeutung verliert, kommt die Verlässlichkeit und Elastizität der elektronischen Gehirne ins Spiel: „Wichtig sind IT-Strukturen, um Informationen zu sammeln und vorzuhalten“, betont der Microsoft-Deutschlandchef.  Wikis, also  betriebsinterne, von allen in Kollaboration bearbeitete,  aktualisierte und bei Arbeitsprozessen verwendete Wissensdatenbanken wie HPedia, gehören zu den Errungenschaften, die aus dem Web 2.0 ins Enterprise 2.0 eingegangen sind. Sie sollen statischen, abgeschotteten Wissensinseln und dem alten Problem, dass mit den Mitarbeitern auch das Know-How geht, abhelfen. Automation durch Computertechnik ist out. Bergs Überzeugung: „Wenn Unternehmen auf dem IT-Sektor stehen blieben, werden sie auch nicht die besten Arbeitskräfte finden.“ Ein Zauberwort des Enterprise 2.0 heißt: „Webbasierte Services“, also flexible Internet-Dienste, auf die Anwender, wie Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten, zu jeder Zeit, von jedem Ort und von jedem Gerät aus zugreifen können. Mit einer guten Software allein läuft der Laden und funktionieren Firmen nicht mehr.   Sogar Fernseher werden bei der Schlüsseltechnologie „Unified Communications“ zu Fenstern in die Firmenzukunft.  „Kommunikationsformen, die ich kenne, zusammenführen“, übersetzt Berg das IT-Schlagwort. Klassische Telefonie hat das Nachsehen, wenn neue Dialogvarianten selbst bei anfänglichen Skeptikern die Barrieren brechen. Angefangen bei Emails, über Instant Messengern, die Kurznachrichten im Internet verschicken, weiter mit Video-Anrufen und –Konferenzen, bis zu Live Meetings, die auch über mobile Endgeräte, Smartphones und TV-Geräte abgehalten werden. Aus Kommunikation wird neuerdings besonders im  „Office“ die „Collaboration“, das ist gemeinsames Arbeiten durch gemeinschaftliche Datennutzung. „Eine Plattform, und ich habe alle Informationen zur Verfügung“, beschreibt der Microsoft Deutschland-Chef Office 2010. „Jeder Mitarbeiter hat eine eigene, selbst gepflegte Seite, die grün anzeigt, wenn man bereit ist, eine Email oder andere Nachricht zu empfangen. Man kann auch PC-Ansichten teilen, gemeinsam editieren, an bestimmten Projekten zusammenarbeiten.“  28 Minuten an Produktivität gewann bei Microsoft, einer Studie von Forrester Research aus dem Jahr 2009 zufolge, jeder Mitarbeiter durch die Einführung Unified Communications und Collaboration.  17.000 Tonnen weniger Kohlendioxid wurden  bis zur Erhebung der Studie in die Atmosphäre entsandt.  

Laut sprechen mit geschlossenem Mund


Witziger Blick in künftige Möglichkeiten: Lässt man seinen Anrufbeantworter ein Gespräch entgegennehmen, erscheint die Nachricht umgehend als Text auf dem PC, an dem man gerade arbeitet. Praktisch sind solche Sprache-zu-Text-Funktionen in Zeiten, in denen alles aus rechtlichen Gründen verifizierbar und dokumentierbar sein muss. „Wir müssen lauter kommunizieren“, sind sich die beiden Deutschland-Chefs von HP und Microsoft einig. Laut im Sinne von abrufbar, nachlesbar, nachprüfbar. Die (R)evolution der Wissensarbeit mithilfe gemeinschaftlicher, locker zu nutzender Kommunikationsformen, ist also kein Eingangstor zur legeren Handhabung des stetigen Informationsflusses, zumindest nach innen. Nach außen wird es schwieriger, in einer Welt, in der hemmungslos getwittert und auch andernorts per Internet getratscht wird. Die traditionellen Schweigemauern der Unternehmen sind hoch, selbst von einer Abteilung zur anderen, oder um ein laufendes Projekt herum. Wie passt es zu diesen besonders in Deutschland starr eingeschliffenen Kulturen,  wenn in einem betriebsinternen oder gar –externen Block aus dem Nähkästchen aktueller Vorgänge geplaudert wird? Andererseits ist Austausch erwünscht, um in Firmennetzwerken zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.  Als Ausweg aus diesem Dilemma gibt es bei Microsoft neuerdings einen Social Media Policy Guide, der regeln soll, wie sich Mitarbeiter in den 500 internen und externen Social Media Angeboten von Microsoft bewegen und verhalten sollen:  Egal ob es sich um Blogs, Twitter-Accounts, Facebook- und Xing-Gruppen, Foren oder RSS Feeds handelt. Bei letzteren erfährt der Abonnent von der Änderung einer Internet-Quelle, die ihn interessiert. Die Quintessenz des Soziale-Netzwerke-Führers: „ Be smart“. Denn eines soll die Evolution der Wissenswelten und Kommunikationsformen nicht bewirken: Dass ihre Nutzer  offizielle Unternehmensstatements inhalieren. Berg kennt Blogs, die auf Anweisung von Ghostwritern verfasst wurden, um einen Chef modern anzustreichen: „Ich habe schon sehr witzige Dinge gesehen, die sich Manager haben schreiben lassen. Sah mehr nach einer Pressemitteilung aus“. Getwittert hat der Kommunikationsmodernisierer bisher übrigens nur einmal: „Ich mag Twitter nicht“.
   





Feature Unterhaltungselektronik: An der Schnittstelle zum digitalen Zuhause: Männerspiel- und Frauen-Handwerkszeug

 

VON ANNEGRET KEMPF

 

Die Männer sind schuld, zumindest daran, dass sich immer wieder neue, größere und aufwändigere Fernseher und andere High-Tech-Komponenten aus Unterhaltungselektronik (UE) und der mit ihr verschmelzenden Informationstechnologie (IT) verkaufen. Denn die Männer spielen nun einmal gerne, und lassen sich ihr technisches Spielzeug etwas kosten. Dafür kaufen sie den Kick, das neue Teil zum Laufen zu bringen, gleich mit.

 

Diese Einschätzung ist zumindest aus Teilen der UE-Industrie immer wieder zu hören, wenn es um die Triebfeder für Neuentwicklungen und teure Produkte geht. 

 

Die Frauen sind schuld, zumindest daran, dass fieberhaft nach möglichst einfacher Bedienbarkeit der Einzelkomponenten digitaler Heimnetzwerke gesucht werden muss. Denn, so die Begründung, schließlich würden Fernseher, Waschmaschine, DVD-Rekorder, Radio, Spülmaschine und Jalousien in der Regel von ihnen bedient, seien diese „Hausgeräte“ ihr tägliches Handwerkszeug. „Und Frauen sind blöd“, wird zwar nicht gesagt, aber durch die Blume mitgeteilt, mit Aussagen, wie: „Ich gerate schon ins Schwitzen, wenn ich höre, dass an einem neuen Fernsehgerät noch ein Licht zugeschaltet werden kann. Damit kann ich vergessen, dass es meine Freundin  anrührt, wenn mehr als ein Knopf: „An – aus“ zu bedienen ist“.

 

Vielleicht sollte derartigen Vorurteilen eines drauf gesetzt werden: Wie sollten Männer ohne die Unterstützung ihres weiblichen Gegenstücks die teuren Spielzeuge erwerben? Frauen sind schließlich viel besser im Shoppen und Geld-Ausgeben.

 

Beiden Geschlechtern gemein ist, dass sie sich in ihrer Freizeit gerne verwöhnen lassen. Zu diesem Zweck wurden die vielgestaltigen Apparaturen aus der Kategorie Augen- und Ohrenschmaus entwickelt, die neben Lauschigem und Praktischem in den vergangenen Monaten, rechtzeitig für die Wunschzettel vor Weihnachten, vorgestellt wurden.

 

Dschungelführer für Fachausdrücke

 

Wer angesichts des Wustes an Fachidiomen, die im Schmelztiegel von UE, IT und TK mit verkauft werden, das Gefühl hat, er sei im Dschungel gelandet, dem sei empfohlen, sich ein Navigationssystem durch diesen zuzulegen. In gedruckter Form erschienen, ist der „Dschungelführer 2005 – Der Führer durch den deutschen Telekommunikationsmarkt“ (Portel.de Onlineverlag GmbH, 29,90 Euro) von Johannes Lenz-Hawliczek und Georg Stanossek. Neben einem sehr gut verständlichen Glossar, sowie einem Firmenverzeichnis, enträtselt er Begriffe, die zum Beispiel in Zusammenhang mit dem digitalen Heim und mit  Filmen aus dem Internet relevant sind. Stichwort „Triple Play-Services“, die „Bündelangebote aus Telefonie, Breitband und Unterhaltungsangeboten wie Fernsehen oder Video-on-Demand“ sind.

 

Fernseher: Riesen und Individualisten

 

Doch zurück zu bekannterem Wortschatz, der – wie wir nun wissen – männlich geprägten Technikwelt. „Unsere Fernseher sind sehr, sehr sexy geworden und logischerweise sehr, sehr flach“, charakterisierte jüngst Martin Barderleben von Philips, in einer etwas inkonsequenten Argumentationskette, die Neuvorstellungen des Unternehmens. Und so sieht ein „sexy“ Modell der Reihe Cineos Flat TVs aus, von denen es mit den LCD-Fernsehern 42PF9830 (106 cm Bildschirmdiagonale), 37PF9830 (94 cm) und 32PF9830 (81 cm) drei neue Varianten im Preisbereich zwischen 3 500 und 5 000 Euro gibt: Glas und Metall blinken dem Betrachter entgegen. Ein stählerner Fuß verfügt über ein reges Innenleben. Sein von einem Motor getriebener Drehmechanismus dreht das Flat TV auf Befehl der Fernbedienung um 30 Grad nach links oder rechts, um den besten Blickwinkel zu erzielen. Diese Position kann mit einem Knopfdruck gespeichert werden, so dass beim nächsten Movie-Abend schnell zwischen der Wunsch-Lage und der Grundeinstellung hin und her geschaltet wird. Der 37- und der 42-Zöller sind nicht nur HD Ready, also bereit für die großen Pixelzahlen des neuen, hoch auflösenden, digitalen Fernsehens. Sie bilden die besonders detailreichen Filme und Sendungen sogar auf einem 1 920 mal 1 080 Bildpunkte High-Definition (HD)-Panel ab. Sattere Farben, größere Tiefenschärfe und immer breite Bilder soll High Definition Television (HDTV) bringen. Bei Movies spätestens 2010, wenn auch in Europa die Film-Studios komplett darauf umgestellt sein werden. Mit der Philips-Technologie Pixel Plus 2 HD wird jeder Punkt des empfangenen Bildes verändert und an die umgebenden Pixel angepasst. Das Umgebungslicht-System Ambilight 2 ermittelt anhand der eingehenden TV-Signale einen Farbton fürs blendfreie Hintergrundlicht, der jeweils mit der Bildschirmsituation korrespondiert. Das soll den Augen helfen, sich zu entspannen und zugleich Details und Farben gut wahrzunehmen. Dabei gibt es vier Voreinstellungen: Sport, Relaxed, Action und Personal. Stereo wird die Hintergrundbeleuchtung links und rechts gesondert gesteuert.

 

Zum Start von Programmen, die in High-Definition-Qualität ausgestrahlt werden, hat Philips mit dem DSR905 HDTV Satelliten-Receiver (399 Euro) die nach Unternehmensangaben erste Set-Top-Box auf den Markt gebracht, die fähig ist, die hochwertigen digitalen Signale zu empfangen. Sie ist kompatibel mit HD Ready Flat-Fernsehern.

 

Mit den „weltweit ersten Fernsehern zum Selbstgestalten“ will die sich wieder erholende Kronacher Loewe AG zur „Premium-Marke im Bereich Flat-TV“ werden. Roland Raithel von Loewe: „Die Zukunft ist flach. Wir gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr den letzten Bildröhren-TV bei Loewe herstellen werden“. Geräte der neuen LCD-Produktlinie „Individual“ werden auf Wunsch sowohl in der Technik, als auch im Design, vom Käufer selbst konfiguriert und kosten zwischen 1 400 und 3 500 Euro. Dafür stehen neue Oberflächen und Materialien wie poliertes, eloxiertes Aluminium zur Auswahl. Wählbar sind auch die Frontfarben, etwa Aluminium Bronze und Cream Hochglanz. Die seitlichen Intarsien sind frei kombinierbar, etwa in apfelgrünen Kunst- oder in edlen Naturstoffen. Der LCD wird beispielsweise von der Zimmerdecke abgehängt oder an einer Boden-Decken-Stange gedreht, gekippt und in der Höhe verstellt. „Individualisierung ist Megatrend in diesem Jahrzehnt“, erläuterte Raithel. HDTV-Bildqualität stellen die HD Ready-Individuals auf ihrer sichtbaren Diagonale von 66 beziehungsweise 80 Zentimetern (26 und 32 Zoll) im 16:9-Kinoformat dar. „Weltweit einzigartig“ seien DVB-T und der digitale Empfang über Kabel (DVB-C) in die Design-LCDs integriert. Die digitale High Definiton Multimedia Interface (HDMI)-Schnittstelle, inklusive Kopierschutzstandard HDCP, sorgen dafür, dass der Bildschirm nicht schwarz bleibt und digitale Inhalte ihre Hochwertigkeit nicht verlieren: Nur Fernseher mit dem Kopierschutz können kopiergeschützte DVDs wiedergeben. Der Individual 32 Plus ist auch mit eingebautem Loewe Digital RecordingPlus zu haben: Die aktuelle Fernsehsendung wird auf Knopfdruck vom digitalen Festplattenspeicher kontinuierlich aufgezeichnet, so dass sie bei Unterbrechungen mit Hilfe der Time Shift-Funktion später fortgesetzt werden kann. Ab Herbst kommenden Jahres soll es möglich sein, ein Programm aufzuzeichnen und zugleich ein anderes zu sehen. Loewe schaut in die Zukunft: Die Studie eines 65-Zoll-LCD-Panels wurde bereits gezeigt, wird aber in den nächsten zwei Jahren noch nicht angeboten. Zu kaufen werden die Giganten-LCDs sein, „sobald der Markt die Preisklasse dafür bietet“. Versprochen wird ein „höchst attraktives Möbelstück“.

 

„Zum Jahresende wird der Verbraucher in der Lage sein, sich ein Plasma zu leisten“, so Winfried Hoffmann von Phocus Electronics. Der PDP 50 X3 50-Zoll-Plasma seines Unternehmens (127 cm Bilddiagonale) soll sich bis Ende 2005 „in der HDTV-Variante bei 2 699 Euro einpendeln“. Der 32 Zoll LCD-TV 32 HDS ist seit September, HD Ready, für 1 299 Euro zu haben, „Tendenz fallend“.

 

Grundig führte kürzlich „eine letzte Bildröhren-Familie“ ein, und zwar den Lenaro, mit Breitbildgeräten im Kinoformat. Der Lenaro 82 Flat IDTV (799 Euro) hat ein integriertes DVB-T-Empfangsteil und wird ab 2006 mit digitalem Satelliten-Receiver (DVB-S) angeboten. Vorrangig orientiert sich das weiterhin in Nürnberg entwickelnde und forschende Unternehmen am Trend zu immer größeren Bilddiagonalen und flachen Panels in Plasma- oder LCD-Qualität. Die Highlights seiner Flachbildschirm-Initiative sind der Plasma-Riesenanwärter Elegance 50 PXW (127 cm Diagonale) und der LCS-TV Elegance 40 LXW, von denen es bislang nur Muster gibt. Sie entsprechen dem Trend zu immer größeren Bildschirm-Diagonalen. Ob diese Dimensionen nun sexy sind oder nicht, bleibt dem jeweiligen Betrachter oder der jeweiligen Betrachterin überlassen.

Kommentar
 Keineswegs zum Heulen: Eine modernere Demokratie ist gewählt worden


Von Annegret Kempf

 

Lange genug ist die Bonner und dann Berliner Republik in den Gepflogenheiten verharrt, die sich nach den Erfahrungen mit der Weimarer Republik und der Nazi-Diktatur in einem scheinbar nach innen und außen widerstandsfähigen System etabliert hatten. Eitle Formalismen, wie die Frage, wer wen zu Gesprächen über Koalitionsverhandlungen einladen darf, gehören zu diesen keineswegs immer festgeschriebenen Gepflogenheiten.

 

Doch die Macht der Gewohnheit und die allen finanzpolitischen Fehlern zum Trotz mentale Fixierung der drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative auf den Stand der Staatskasse haben viel gekostet: Einen sicheren Sozialstaat; Arbeitsplätze; Vertrauen in die gewählten und regierenden Politiker, die lange Zeit nach dem Motto: „Immer weiter so, damit wir wieder gewählt werden“, handelten; Vertrauen in die freiheitlich-demokratische Grundordnung eines Staates, in dem scheinbar eindeutige Steuergesetze von ausführenden Beamten und Finanzrichtern so ausgelegt werden, dass arglos danach handelnde Bürger ohne Chance der Rechtfertigung zu böswilligen Kriminellen abgestempelt werden, die dem finanzschwachen Staat als verurteilte Steuersünder zusätzliche Steuer-, Zins- und gar noch Strafgelder einbringen; Sicherheit vor Bespitzelung und Diffamierung durch Nachbarn, Freunde und Kollegen.

 

Eine Rückbesinnung auf die wehrhaften Grundwerte und Gleichheitsgrundsätze unserer Verfassung, die die Väter und Mütter des Grundgesetzes aus einschneidenden Erfahrungen heraus festschrieben, tut Not. Umso mehr, wenn sich der Staat aus seinen eigenen guten Kräften heraus reformieren und wieder wahr- und wehrhaft freiheitlich-demokratisch und finanziell Überlebens fähig werden soll.

 

Intensives Hinhören auf die Stimme des Herrschers, des demos, also des Volkes ist angesagt: Zu lange wurde der Souverän, das Volk, sogar als zu leicht verführbar und damit als zu unzuverlässig eingestuft, um über die eigene Verfassung abzustimmen. Die Folge: Das Grundgesetz ist bis heute nicht vom mittlerweile vereinten deutschen Volk legitimiert worden, obwohl die Legitimationsbarriere der Zweistaatlichkeit seit 15 Jahren nicht mehr besteht. Auch die Europäische Union kann in ihrer Unmittelbarkeit fürs tägliche Leben jedes Bundesbürgers nie richtig wahrgenommen werden, wenn die endlich erreichte Demokratisierung ihrer Gesetzgebung nicht durch ein Verfassungsvotum des Staatsvolks selbst bekräftigt werden wird. Höchste Zeit also, dass diejenigen, denen Macht auf Zeit übertragen wird, einsehen, dass der Souverän mündig ist.

 

Jetzt haben die Menschen entschieden, dass die Ära alleine allmächtiger Volksparteien, wie sie sich nach 1949, begünstigt durch Hürden im Wahlsystem, in den deutschen Parlamenten etabliert haben, vorbei ist. Demokratie, Volksherrschaft, lebt vom Wandel und vom Wechsel: Bisher meist von einer großen Partei plus kleinem Partner zur anderen. Als Ausnahme leistete die große Koalition der Sechziger Jahre denjenigen gute Dienste, denen an einem Voranbringen der damals anstehenden Gesetzesvorhaben gelegen war.

 

In den kommenden Jahren geht es um dringend notwendige Wandlungen unserer Gesellschaft, für die der Gesetzgeber schnellstens die Grundlagen schaffen muss. Der Souverän hat sich mit der Wahl im September 2005 entschieden, dieses Projekt einem Bündel von politischen Kräften zu übergeben, die sich noch im Wahlkampf für unvereinbar in ihren Zielsetzungen hielten. Doch das ist dem aus dem Willen aller Wählenden bestehenden Souverän egal. Denn er hat seinen gewählten Repräsentanten den Auftrag erteilt, eine Regierung zu bestimmen, sowie Fraktionen und Koalitionen zu schmieden, die im Sinne des gemeinschaftlichen Willens der Wähler zum Wohle des Landes und seiner Bürger handeln.

 

Nicht die Demoskopen, sondern der Souverän der Demokratie, also das votierende Volk, diktiert das Szenario, das der Wahl folgt: Wer tändelt und diesen Auftrag nicht annimmt, sich sogar aufgrund irgendwelcher, irgendwann geäußerter Prinzipien dem Regierungsauftrag durch den Souverän widersetzt, der handelt gegen die Grundfesten der Demokratie und des Grundgesetzes. Eine Rückzahlung der Wahlkampferstattungsgelder wäre noch die mildeste Strafe, mit der solche Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Auftrag, auf den man sich eingelassen hat, zu sanktionieren wäre.

 

Das Volk zeigte am 18. September 2005 mit seiner Wahlentscheidung, dass es sich dessen bewusst ist, dass Reformen nötig sind. Es bekräftigt, dass es solche will. Sein Votum demonstriert aber auch, dass es dagegen ist, diese ohne soziale Abfederung auf die Schultern einzelner Gruppen zu packen. Zudem möchte der Souverän die Wirtschaft motivieren, im Land zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten, was sich im Stimmvolumen für eine Unternehmer nahe, bislang kleine Partei zeigt. Dennoch sollen die Kaufkraft der Menschen und die Konjunktur nicht durch eine Mehrwertsteuererhöhung oder durch Pauschalbesteuerungen erstickt werden, was sich in Stimmverweigerungen gegenüber einem anderen Parteienduo äußert.

 

Die Zeit der Eindeutigkeiten ist vorbei, der Souverän zum mündigen Wechselwähler geworden, der differenzierte Entscheidungen trifft. Diese sind klar zu lesen: Aufgabe der Politiker ist es, sich dem daraus ergebenden Farbenpuzzle zu stellen und ihren Job auszuführen. Die dienenden Ämter von Volksvertretung und Regierung lassen keinen Platz für Wunschzettel an die Wähler und für Schmollwinkel zum Ausheulen über nicht erfüllte Wahltagswünsche. Dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland stehen spannende Zeiten bevor: Am 18. September 2005 ist eine modernere Demokratie gewählt worden.

 

Feature: Techik-Visionen zum Staunen und Gruseln:



Willkommen in der Welt der sprechenden Jacken

 
VON ANNEGRET KEMPF

 

Das Jahr 2005 brachte Meldungen aus der Hightech-Branche, die uns staunen und schaudern lassen: Wie sieht die Technik dominierte Alltagswelt der Zukunft aus, die teils schon zum Greifen nah ist? Und vor allem: Wie sehen wir aus, voll gepackt mit technischen Finessen, die anscheinend höchstens vor Bikini und Badehose Halt machen?

 

Der Ingolstädter Bekleidungshersteller Rosner beispielsweise, hat zusammen mit Infineon Technologies eine Multimedia-Lifestyle-Herrenjacke entwickelt, bei der Elektronik unmittelbar mit der Kleidung verwoben ist. Sechshundert dieser Jacken gibt es bereits auf dem Markt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihnen ein Herr in modischer Jacke begegnet, der wild auf seinem Ärmel herumdrückt und gleich darauf zu telefonieren beginnt. Er hat nicht etwa einen für uns unsichtbaren Hasen namens „Harvey“ zum Freund, sondern die Funktion „Mobil Telefonieren per Bluetooth“ in sein Baumwoll-Jackett, das sich „mp3blue“ nennt, eingebaut. Ein alltagsbewusster Mensch fahndet vermutlich als erstes nach einer Pflegeanleitung in dem hippen Teil. Immerhin müssen Waschzuber oder -maschine mit so kniffeligen Kleidungskomponenten wie elektrisch leitfähigen Stoffbahnen, die man beim Tragen angeblich nicht spürt, zurechtkommen. Diese verbinden das für Reinigungsprogramme noch schwierigere Elektronikmodul im linken Ärmel und Kopfhörer, die im Kragen angeschlossen sind, sowie ein Mikrofon, das sich ebenfalls im „mp3blue“ versteckt. Der linke Ärmel sollte am besten keinem Bügeleisen ausgesetzt werden, auch wenn Baumwolle normalerweise einiges aushält: Denn das Modul im beherbergt  einen MP-3-Player mit 128 Megabyte Speicher, ein Bluetooth-Gateway, das ein Mobiltelefon ansteuert, sowie einen Akku, der die Elektronik acht Stunden lang versorgt. Bei einem Anruf wird das „mp3blue“ zum drahtlosen Headset und die Musik des MP3-Players automatisch unterbrochen. Das sind bei weitem nicht alle Funktionen solcher so genannter „Smart Clothes“, die Mikrochip- und Computersysteme integriert haben, um in absehbarer Zukunft die Menschen mit ihrer Umwelt zu vernetzen: Ein paar Meter weiter begegnet Ihnen eine Touristenschar, die sich von ihrer Kleidung durch die Stadt führen lässt. Eine berufstätige Mutter eilt vorbei, die mit Hilfe ihres Kostüms ihre Hausgeräte fernsteuert.

 

Sie gehen weiter und begegnen einer Dame, die eine silberne Kreditkarte aus ihrem Handtäschchen zieht. Gleich danach klopft Sie Ihnen auf die Schulter und zeigt Ihnen auf der vermeintlichen Kreditkarte Ihr Konterfei, vor wenigen Sekunden aufgenommen. Derartige Miniaturkameras sind für jedermann verfügbar, seit Sony die Cybershot T7 auf den Markt gebracht hat, die auch fast so flach wie eine der vielen anderen Karten in Ihrem Portemonnaie ist. Mit ihrem Gewicht, das dem einer Tafel Schokolade gleicht, trägt die Fünf-Megapixel-Kamera, die sogar Videos dreht, auch beim Halten kaum auf.

 

Sie revanchieren sich, und lassen die Dame in Ihren Lieblingsaufnahmen blättern: Ein bisschen Zeit braucht es natürlich schon, die 1 500 Bilder, die Sie im Fotoalbum-Bereich Ihrer Kodak EasyShare-One Digitalen Zoomkamera mit sich tragen, anzuschauen. Aber Sie trösten die Zufallsbekanntschaft: Würden Sie richtig loslegen, schlössen Sie Ihre Kamera an ein W-LAN Funknetz an, und führten auf dem 7,6 Zentimeter Diagonal-Durchmesser großen Touchscreen auch noch Bilder aus Ihren persönlichen digitalen Fotoalben bei www.kodakgallery.de vor.

 

Ein Jugendlicher kommt vorbei, starrt auf sein Handy-Display und murmelt memorierend Goethes Faust vor sich hin, nachdem er sich den neuesten Comic papierlos reingezogen hat: Das ist in etwa die Vorstellung von Per Dalheimer, Geschäftsführer der Libri.de Internet GmbH, von der Bibliothek in der Jackentasche. Libri.de hat, mit Blick auf die schnell wachsende Verbreitung von Multimedia-Handys, eintausend deutsche und 20 000 englische Titel als eBooks verfügbar gemacht. Die elektronischen Bücher werden auf allem angezeigt, was Chips im Bauch hat und vernetzt ist, sprich, PCs, Laptops, PDAs und Handys, beziehungsweise Smartphones. Über DSL-Internet soll die elektronisch stimulierte neue Lust am Lesen schnell herunter zu laden sein.

 

Sie wandern durch die Straßen und begegnen Menschen, die Werbeaufschriften, etwa für Anti-Schnarchsysteme, auf ihre Stirn aufgemalt haben: Immer mehr US-Amerikaner und Kanadier bieten ihre Haut als zeitlich begrenzte oder permanente Werbefläche an. Weitere bevorzugte Stellen am Körper sind Arme, Hände und die Bäuche schwangerer Frauen. Professionell werden in Kanada bereits dauerhafte Tätowierungen mit Werbebotschaften vermittelt.

 

Abends besuchen Sie ein interkontinentales Klavierkonzert. Ein einsamer, anatomisch nicht auffällig gebauter Pianist greift in die Tasten. Vom Flügel erklingt ein Musikstück, das von vier Händen live gespielt wird. Die Lösung: Zwischen den beiden hierfür benötigten Künstlern, von denen nur einer zu sehen ist, liegt zwar beispielsweise der Atlantik, doch ihre Klaviere sind jeweils an das Internet angeschlossen. Die von der kanadischen Acadia Universität entwickelte Software „MusicPath“ ermöglicht eine millisekundenschnelle Übertragung der Tastenanschläge, die zeitgleich den exakt selben Ton auf den Musikinstrumenten etwa in Kanada und in Ihrem heimischen Konzertsaal erklingen lassen.

 

Sie gehen durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen, und ein kleiner Chip verrät, was an Ihrem Fingerabdruck und an Ihrem Gesicht ganz individuell zu Ihnen gehört. „Golden-Reader-Tool“ (GRT) ist eine weltweit einsetzbare, standardisierte Lösung, mit der sich elektronisch lesbare Informationen zu den so genannten biometrischen Merkmalen auf kleinen kontaktlosen Speicherchips in Reisepässen speichern lassen. Ihrem Prototypen-Präsentator, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zufolge, ist das GRT das derzeit einzige Tool, in dem die Anforderungen der Internationalen Zivil-Luftfahrtorganisation ICAO (http://www.icao.int) , umgesetzt sind.

 

Im Wartebereich tippt ein Geschäftsmann konzentriert eine Email direkt auf das Kaffeetischchen, auf dem wie von Geisterhand eine 24 mal elf Zentimeter große Tastatur aus Laserlicht erschienen ist. Ein Gerät, das wie ein gut gestyltes Mobiltelefon aussieht, ist bei eingeschaltetem Laserlicht hierfür verantwortlich. Keine Science Fiction, sondern ab Mai Realität, ist das Wirken dieses Celluon Laserkey CL-800 BT, das via Projektion eine vollwertige Tastatur in Ergänzung zu PDAs, Smartphones oder auch Design-Notebooks ersetzt. Die Bewegungen der Finger beim Laser-Tippen auf der lichten Tastatur des Celluon Laser Keyboards, das plawa-feinwerktechnik vertreibt, werden von einem Infrarot-Sensor erkannt. Ein Laser-Touchpad ersetzt die Maus.

 

Angekommen an Ihrem Zweitwohnsitz ziehen Sie Ihr Handy, als Sie bei der Fahrkartenkontrolle im Bus um Ihr Ticket gebeten werden: Die Nahfunk-Technik Radio Frequency Identification (RFID) hat Ihr Mobiltelefon in nicht allzu ferner Zukunft zur virtuellen Monatskarte gemacht. Datenschützern ist der Einbau von Scannern für elektronische Funketiketten in Handys allerdings nicht geheuer.

 

Neben Ihnen sitzt ein Passagier, der nicht einmal den Kopf hebt, als Sie ihn grüßen: In seiner Hand hält er ein Taschenkalender großes Gerät, auf dessen Display er gespannt einen Krimi verfolgt. Als nach der Hälfte der Ausstrahlungszeit bereits zu offensichtlich ist, wer der Täter ist, schaltet er sein Multimediagerät, das über Digital Video Broadcast Handheld-Übertragungsstandard (DVB-H) für digitales Fernsehen verfügt, auf Telefonfunktion um und beschwert sich beim Sender. Ein eingebauter Rekorder speichert inzwischen, was er vom Fortgang des Films versäumen könnte. Später schickt der Movie-Freund eine SMS über den Rückkanal, um einen Sitzplatz im Kino zu buchen, während er sich Trailer zum aktuellen Kinoprogramm ansieht. Natürlich fehlt auch diesem Super-Handy von Siemens eine Digitalkamera nicht. Zudem ist es mit Lautsprechern für Stereosound ausgestattet - Zukunftsmusik für Ende 2006.

 
 

Auch Hilfreiches gibt es in der Technik-Zukunft zu sehen: „Ich denke, also bin ich“, und – in der neuzeitlichen Version - „bewege den Cursor eines Taschen-Computers nur mit der Kraft meiner Gedanken.“  Hierfür werden ein paar Elektroden am Kopf befestigt und die Kabel mit dem Pocket-PC verbunden. Beispielsweise ein Rollstuhl oder eine Prothese sollen dadurch gesteuert werden, dass ein Mensch intensiv an die Bewegung nach rechts oder links denkt, und der Computer den Cursor präzise in die gewünschte Richtung lenkt. Der PC hat dabei die spezifischen Änderungen der Gehirnströme durch diese Gedanken erkannt. Statt mit großen, schwerfälligen Messgeräten und Computern, ist ein solches Brain-Computer-Interface (BCI), dank des Systems von g.tec Guger Technologies OEG aus Graz, nun mit dem bislang kleinsten BCI-Gerät möglich, das weltweit das erste auf Taschen-Computer-Basis ist.

  

Apropos Rechner, was es da neuerdings zu entdecken gibt, ist zwischen Fantasialand und dem Trend zur Einfachheit angesiedelt: Computer sehen nicht mehr wie PCs aus, sondern erinnern manchmal eher an umgefallene Mülltonnen, buntes Lifestyle-Nippes oder Stereoanlagen und stehen sogar als digitale Unterhaltungsmaschinen im Wohnzimmer. Das Schöne: Sie  werden immer billiger und bieten – beim Kauf des passenden Geräts – ganz exakt die Leistung und den Nutzen, den der jeweilige Anwender benötigt, anstelle eines erdrückenden Berges manchmal merkwürdig klingender Merkmale. Wer ein Schreibgerät will, bekommt ein Schreibgerät; wer Filme bearbeiten will, kann sich darauf konzentrieren.

 

Auch Eingeständnisse gibt es zu hören, die vielleicht in wirklich einfacherer Anwendbarkeit für den Laien-Nutzer münden könnten. Beispielsweise gibt Achim Berg, Vorstand Marketing T-Com, zu bedenken, dass die Drahtlostechnik WLAN für Nicht-Experten keineswegs kinderleicht zu installieren ist.

 

Wo gibt es noch Rückzugsmöglichkeiten von all der hoch gelobten Technik, die uns ins Haus steht? Etwa in einem Heim, das nach Art des Telekom-Hauses eingerichtet ist? Wohl kaum, auch wenn einem ein kleiner Personal Digital Assistant (PDA) dabei hilft, alle Geräte und Anwendungen intuitiv zu bedienen. Apparaturen wie das elektronische Message Board, das Family Whiteboard, auf dem im Eingangsbereich des Hauses Nachrichten in Form von Texten, Videos, SMS oder MMS hinterlassen oder abgerufen werden sollen. Zweck des Whiteboards ist es, die Pinnwand mit kleinen Notizzetteln zu Einkäufen, Erledigungen oder Nachrichten an andere Familienmitglieder zu ersetzen. Wohin dann aber mit den liebevoll und stolz übergebenen Zeichnungen des Nachwuchses, die schließlich stets aktuell ausgestellt werden müssen? Werden sie mit Tesa aufs nächstgelegene Touchpad gepappt? Oder eingescannt und wie der Rest des Hauses elektronisch verwaltet? Immerhin lassen sich aus der zentralen Mediendatenbank Texte, Musik, Bilder und Videos in jeden gewünschten Raum des Hauses über­tragen. Schlechte Laune ist sowieso von gestern, wenn sich ein spezielles „Mood-Programm“ darum kümmert, dass uns ein ausgewähltes Licht- und Musik-Ambiente durch verschie­dene Zimmer folgt. Eine total virtuelle Welt übernimmt unsere Lebensgestaltung, fast bis in unsere nächtlichen Träume von den nächsten Technik-Visionen hinein: Von einem WLAN-Hotspot können das Licht ein- und ausgeschaltet, sowie die Jalousien hochgezogen oder heruntergelassen werden. Knippste der Hotspot eines Tages allerdings die Sonne an und aus, wüssten wir, dass wir die Realität endgültig verlassen haben und in eine Kunstwelt aus Technik-Träumen eingezogen sind.


Sport-Reportage: Wer Ralf zum Formel-1-Triumph verhalf

Winkehandschuhe und Fähnchen: BMW-Mitarbeiter fiebern mit am Hockenheimring


Von Annegret Kempf

Ein Winkehandschuh, ein Fan-Cappy und Ohrstöpsel im BMW-Formel-1-Look aus dem Fanpaket. Wolfgang H., einer von 1000 glücklichen Gewinnern von Mitarbeiter-Tickets für das Jubiläum der Formel 1 zum 25. Rennen am Hockenheimring, ist präpariert: Der 75. Große Preis von Deutschland mit seinen 19 000 Umdrehungen kann kommen.

Mit dem Sonnenaufgang fährt er am Samstag Morgen los, nach 350 Kilometern am Rastplatz dann das ausgebleichte Wegweiser-Schild zum „Hockenheimring“. Eigentlich unnötig, denn wo mehr als 100 000 Anhänger von heißen Reifen und Motorsport-Promis hinwollen, erklären dekorierte Wohnmobil-Karavanen den Weg.

Heute steht das Qualifying zur Startposition auf dem Plan. 41 Grad Asphalt-Temperatur heizen die BMW-WilliamsF1-Piloten zu Höchstleistungen an: Juan- Pablo Montoya erzielt seine erste Pole-Position, Ralf Schumacher fährt nur knapp zwei Hundertstel Sekunden langsamer. Aus einer Doppel-Führung heraus war BMW seit 15 Jahren nicht mehr ins Rennen gegangen. 31 Grad Außentemperatur und dann dieses Herzschlag-Ergebnis: Bei den Fans fließt das abkühlende Nass aus Plastik-Mineralwasserflachen in Strömen.

Mehr oder weniger „wilde“ Campingplätze nehmen die Formel-1-Freaks in der Hitze der Nacht auf. Erregte Diskussionen zwischen den eng stehenden Autos zerfetzen die Ruhe vor der Entscheidung über Wald und Feldern rund um den Ring. Schlaf? – Braucht sowieso keiner, wenn die Nacht im Motoren-Fieber durchgefeiert wird.

Am Sonntag dann Porsche-Pirelli-Supercup, Formel 3000 mit „Kommissar Rex“, Tobias Moretti, der als ewiges Schlusslicht die schmunzelnden Zuschauer zum Anfeuern motiviert („Du schaffst es!“) – „Alles nett, doch vergleichsweise Spielzeug-Autos“, gerät Wolfgang H. erst richtig in Fahrt, als schließlich die „echten“ Rennautos der Formel 1 zur Startlinie brausen.

Emotionen peitschen sich hoch. Ein gemeinsamer Schrei löst sich aus mehr als hunderttausend Kehlen bei Michael Schumachers Unfall. „Er hat Glück, dass er noch lebt“, tönt aus dem Lautsprecher der Kommentator. „Schumi“ ist sogar unverletzt – die mitfühlende Stimmung wendet sich.

„Michael bleib’ asse, bleib’ asse“, ruft ein BMW-Mitarbeiter aus Cham und zeigt sich somit BMW-WilliamsF1-patriotisch. Dabei schwenken er und sein kleiner Sohn mal die Ferrari- und dann wieder die BMW-Fahne. „Ich bin Schumi-Fan – egal welchaner, vom Ralph und vom Michael. Ich acker’ hier, damit die Familie gewinnt“, winkt der Sohn mit seiner Ferrari-Mütze und seinem Ralf-Schumacher-T-Shirt beiden Brüdern zu.

Entsetztes Verharren, kein Winkehandschuh bewegt sich mehr auf der Süd-Tribüne, als in Runde 25 Rauch aus einem BMW aufsteigt. Der Kommentator ist im Dröhnen der Formel-1-Cars schon lange nicht mehr zu verstehen, so dass sekundenlang Irr-Meldungen die Runde machen: Ist es Ralf, der da wegen Motorschadens aufgeben musste?

Zwölf ausgeschiedene Fahrer und Dutzende von Sonnenbränden später gibt es keinen Zweifel mehr, welcher BMW-WilliamsF1-Pilot drin geblieben ist: Der „kleine Schumi“ hat seinen dritten Saisonsieg errungen, ist bis auf sechs Punkte in der Gesamtwertung an die Nummer zwei, David Coulthard, herangerückt. Bahn frei zur Ehrenrunde für Ralf – die BMW-Kurve droht im Jubel der Mitarbeiter zusammenzubrechen. Blauweiße Fahnen und Winkehandschuhe strecken sich dem blauweißen Sommerhimmel über dem Hockenheim-Ring triumphierend entgegen.

Kurz nach 16 Uhr, die Tore zur Zielgeraden werden geöffnet: Die BMW-Fans laufen zum Sieger-Podest hin, um ihre Idole, deren Teams und Motoren zu feiern. Wolfgang H. wird mitgerissen, verliert sein Cappy – egal, jetzt will er sich nur freuen.

Gegen 18 Uhr macht sich der BMW-Mitarbeiter auf den langen Weg zu seinem Auto, entdeckt es schließlich unter dem Sandstaub, den andere Abreisende aufgewirbelt haben. Im dichten Abreiseverkehr bleibt jetzt genügend Zeit, das Erlebte nachzugenießen...
„Morgen früh wieder in München zur Arbeit – schön, dass dort so tolle Motoren für Formel-1-Sieger gebaut werden."

Publikationslinks:

http://www.zeit.de/online/2007/05/spam-phishing


publ schulpflichtbayern.html




file:///C:/Users/Public/Documents/Meine%20Artikel%20publiziert%20online/%E2%80%9EAn%20der%20Sinnlichkeit%20des%20Glases%20erfreuen%E2%80%9C.htm

http://www.wirtschaftswetter.de/ausgabe111/supergau.html

http://www.wiwo.de/technik-wissen/mit-neuen-mini-beamern-wird-das-kino-mobil-115597/

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